CHRONIK DES KREISHANDBALLVERBANDS KIEL

Nachdem die britische Besatzungsmacht am 26.10.1945 die Aufhebung des Versammlungsverbotes bekanntgegeben hatte, erhielten die Sportfreundin Käte Dorowski sowie die Sportfreunde Feldmann, Mahl, Wolff, Lorenz, Schlüter und Petersen den Auftrag, den Handballsport in Kiel neu zu organisieren. Das erste Treffen fand in der Gaststätte »Storchennest« statt. Von nun an ging es Zug um Zug. Der erste Vorstand setzte sich aus Otto Mahl, 1. Vorsitzender und Technischer Leiter, Josef Wolff, Kassenwart und Walter Lorenz, Schriftwart zusammen. Hiermit war der Startschuss für den Neuanfang gefallen.

Aber erinnern wir uns:

Natürlich wurde auch schon vor 1945 in Kiel Handball gespielt. Die Wiege des Handballs lag 1917-1920 in Berlin, und zwar zunächst für die Frauen als Alternative zum Fußball für die Männer. Das erste Spiel fand am 2.12.1917 statt. Förderer und Lehrer des jetzt aus dem »Torball« neu entstandenen Handballs waren Carl Schelenz und Erich König. Und so folgte bald 1920 das erste Spiel der Männer. Am 13.9.1925 fand das erste Länderspiel auf dem Großfeld zwischen Deutschland und Österreich (3:6) statt. Der Grundstein für den Handball war gelegt, und die Entwicklung nahm einen grandiosen Verlauf. So ist es nicht verwunderlich, daß das Handballspiel zwischen 1921/22 auch seinen Einzug in Kiel hielt. Schon bis 1923 kam es in den Vereinen zu einer großen Anzahl von Gründungen der Handballabteilungen. Das erste Handballspiel in Kiel fand am 23.4.1922 zwischen den Männermannschaften vom KMTV und KTV statt.

Es gab jedoch noch keine Fachverbände. Die meisten Vereine übten ihren Handballsport unter dem »Dach« einiger Abteilungen der Freien Turnerschaft und der Deutschen Turnerschaft aus. 1935 war Kiel der Austragungsort des Länderspiels der Männer zwischen Deutschland uhd Dänemark (11:2). Während des verhängnisvollen 2. Weltkrieges kam der Handball, vor allem bei den Männern, fast zum erliegen.Lediglich einige Frauenmannschaften, darunter auch der KTV, versuchten den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. Die KTV-Frauen wurden 1943 Vierte der Deutschen Meisterschaft.

DER NEUBEGINN:

Nun zurück zum Kreishandballverband Kiel. Wie entstand in den Trümmern Kiels neues Leben für den Sport? Die Handballer jedenfalls begannen, in ihren Vereinen ihren Sport wieder zu beleben, obwohl es kaum nichtzerstörte Sportstätten gab. Ende 1945 begannen dann die ersten Spiele auf Vereinsebene, z.B. am 4.8.1945 das erste Frauenspiel zwischen demTHWund KTV und am 18.8.1945 das erste Männerspiel zwischen THW und KMTV auf dem Wulfsbrookplatz. Nachdem 1946 der Kieler Verband für Leibesübungen-Sparte Handball - gegründet worden war, begann auch wieder der offizielle Spielbetrieb. Der Chronist vermerkt als Beginn der Punktrunde den 15.6.1946. Der Weg des Kreishandballverbandes führte dann 1948 über den Sportverband Kiel - Sparte Handball - und 1952 zum Kreishandballverband Kiel. Nachdem am 27.7.1956 die Eintragung des Handballverbandes Schleswig-Holstein (HVSH) in das Vereinsregister erfolgte, ist der Kreishandballverband Kiel eine Untergliederung dieses eingetragenen Vereins.

Natürlich lief in den Anfangsjahren nicht alles streng nach den von uns heute als selbstverständlich anerkannten Satzungen und Ordnungen. Dies galt besonders für den Organisationsbereich im Spielbetrieb, der sich in der ersten Zeit stark den vorhandenen Möglichkeiten anpassen mußte. Trotzdem wurde 1946 und 1947 schon bis zu den Landesmeisterschaften der Männer, der Frauen und der männlichen Jugend A gespielt. Häufige Änderungen in den höheren Klassen, vor allem bei den Männern, z.B. Oberliga, Oberliga Nord und Landesligen, bei teilweise fehlendem Unterbau, die Einführung einer Landesliga der Frauen 1948 und deren Abschaffung 1951, in erster Linie aus Kostengründen, führte dann 1956 zu einer grundlegenden Änderung der Klassen bis hin zum Norddeutschen Handballverband einerseits und den Kreisverbänden andererseits. Eine Änderung, die in ihren Ansätzen bis heute Bestand hat. Auch wurde 1956 für das Großfeld das Spieljahr dem Kalenderjahrangepasst.

Auf die vielen Änderungen insbesondere im Spielbetrieb hinzuweisen, kann verzichtet werden. Festgehalten werden muß aber, daß schon neben dem Großfeld die Spiele in der Halle aufgenommen wurden. Die Anfangsschwierigkeiten waren hier unweit größer. Hallen standen so gut wie gar nicht zur Verfügung. Die wenigen Hallen waren zu jener Zeit zweckentfremdet, so daß sich der Hallenhandball nur spärlich entwickeln konnte. Das Großfeldspiel erlangte jedoch eine große Beliebheit. Zu dieser Zeit wurde der Standort Kiel zur Handballhochburg. Die Teilnahme des THW an den Deutschen Meisterschaften von 1948-1958, 1960 und 1964 mit der Erringung der Deutschen Meisterschaft 1948 und 1950 und der Vizemeisterschaft 1951 und 1953, sowie die Teilnahme des Polizei SV Kiel an den Deutschen Meisterschaften 1951, 1957 und 1959 stellen dies unter Beweis. Vielen ist sicherlich das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft am 2.7.1950 zwischen dem THW qnd Polizei SV Hamburg im Holsteinstadion vor ca. 26 000 Zuschauern in Erinnerung. Der THW gewann das Spiel und die Meisterschaft mit 10:9. Aber ein weiterer Gewinn für den Handball in Kiel war der Zuschauerrekord, der bis heute auch von den Fußballern nicht gebrochen werden konnte.

Es darf in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben, daß die Frauen vom KTV 1950 und von der KSV Holstein Kiel 1964 jeweils die Nordeutsche Meisterschaft errangen.

Zusammen mit den Frauen von THW und SWE wurden viele Landesmeisterschaften nach Kiel geholt. Die Holstein-Frauen krönten ihre Erfolge mit der Deutschen Vizemeisterschaft auf dem Großfeld 1964.

Darüber hinaus sind, wie aus den Aufstellungen der Meister ersichtlich, viele andere Kieler Vereine bei den Frauen-, Männer- und Jugendmannschaften hervorgetreten. Mit der Zunahme der Hallen und der schrittweisen Einführung der Hallenspiele für alle Mannschaften und Klassen, entwickelte sich der Hallenhandball als selbstständige Spielart. Zunächst zeigte sich das bei den Spitzenvereinen. Der THW spielte schon 1959 mit getrennten Großfeld- und Hallenmannschaften. War dies der Beginn des Endes der Großfeldspiele? Wie lange das Großfeldspiel sich neben dem Hallenspiel, das sich immer mehr als schnelles und attraktives Spiel darstellte, würde halten können, war zunächst noch offen.

Trotz des Einsatzes der Verantwortlichen für das traditionelle Großfeldspiel, wurde in Kiel 1968 durch die Entscheidung der Vereine zur Einführung des Kleinfeldspiels (Spiel nach Hallenregeln im Freien) das Ende des Großfeldspiels beschlossen. Der Übergang zum Kleinfeld nahm folgenden Weg: zunächst als Ausgleichs- und Beschäftigungsspiel genutzt, wurden für die Jungmädchen 1965,für die Schülerinnen 1967, für die Frauen und die restlichen Jugendmannschaften 1968 und für die Männer 1969 nur noch im Freien Kleinfeldspiele ausgeschrieben. Natürlich waren in den Gremien viele heftige Diskussionen zum Erhalt des Großfeldspieles vorausgegangen und diejenigen, die befürchteten, daß das Kleinfeldspiel hier kein Ersatz sein könnte, sollten recht behalten. Schon 1978 kam für Kiel auch das Ende des Kleinfeldspieles. Von nun an wurde nur noch Hallenhandball gespielt, wenn man von den Kleinfeldturnieren der Vereine absieht. Die Saison wurde ausgedehnt, konnte aber das ganze Jahr nicht abdecken.